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Unternehmen - 2015-05-26

Michael Preinerstorfer

European Industrial Business Unit (EIBU): NSK's neue Strategie lautet „Select and Focus“

Michael Preinerstorfer, Geschäftsführer der European Industrial Business Unit (EIBU), beschreibt, wie er NSK mit der neuen Organisation seiner Business Unit in 15 bis 20 Nischen zum europäischen Marktführer machen will: Was ändert sich für Kunden, Mitarbeiter und Produkte?

Herr Preinerstorfer, wie sieht die bisherige Organisationsstruktur aus?
Michael Preinerstorfer:  Unsere aktuelle Organisationsmatrix betreut circa 50 Länder in den drei Bereichen „Sector/OEM“, „Aftermarket“ und „Electrical“.  Im Bereich „Sector/OEM“ decken wir Anwendungsgebiete und Branchen wie Pumpen und Kompressoren, Windturbinen, Werkzeugmaschinen, Bahntechnik, Agrartechnik, Bergbau oder Stahlindustrie ab. Ein Sektormanager koordiniert die Arbeit der einzelnen Sektoren regional.

Warum wollen Sie diese Organisation verändern?
Preinerstorfer: Wir wollen unser Service weiter optimieren, um unsere Kunden gezielt und individuell bedienen zu können. Unsere neue Strategie lautet „Select and Focus“: Wir definieren 15 bis 20 Nischen – also spezielle Anwendungen oder Komponenten wie zum Beispiel Walzwerke, Petrochemie  -, in denen wir den Kunden dank unserer Erfahrung und unserem Know-how einen besonderen Mehrwert bieten.  Unsere zukünftige „Nischenpolitik“ soll dazu führen, dass wir auf Basis von bestehenden Standardprodukten deutlich mehr und schneller kundenspezifische Lösungen erarbeiten und dass jede Nische in Zukunft eine individuelle Produktstrategie erhält.

Ändert sich etwas bei der Struktur mit ihren Länderorganisationen?
Preinerstorfer: An ihre Stelle treten Organisationen für die drei Regionen Zentraleuropa, Westeuropa und „Emerging Markets“, die künftig die Kunden getrennt nach Endkunden und Händlern betreuen. Ich setze dabei besonders auf das große Potenzial der „Emerging Markets“ mit Osteuropa, Russland, Türkei, mittlerer Osten sowie Nord- und Südafrika, wo wir bereits über eine gute Marktposition verfügen.

Was ändert sich beim Aftermarket?
Preinerstorfer: Wir splitten ihn in einen „Industrial Aftermarket“ und einen „Automotive Aftermarket“. NSK stärkt beim „Industrial Aftermarket“ das Key-Account-Management und vergrößert die Teams für MRO („Maintenance, Repair and Overhaul“) sowie für AIP (Abkürzung für „Added Value Programme“).
Beim „Automotive Aftermarket“ soll eine eigene Organisation mit Hilfe eines neuen Marketingkonzepts den bisherigen Umsatz in den nächsten Jahren signifikant vergrößern. Die Produkte werden in unseren Werken in Japan und Europa gefertigt. Im Unterschied zum Wettbewerb bieten wir jedoch in unseren Kits ausschließlich Originalteile an, die wir anwenderfreundlich verpackt unter dem Markennamen PROKIT verkaufen.

NSK Europa erweitert sein Added Value Programme (AIP) mit Zubehör für den Aftermarket. Ist dieses bereits erhältlich?
Im „Industrial Aftermarket“ gibt es bereits 15 ausgebildete Condition Monitoring-Experten, die Kunden aktiv bei Problemstellungen unterstützen. Bis zum Ende des Jahres 2015 werden wir unser Portfolio erweitern und Werkzeuge zum Aufbringen und Abziehen von Lagern oder außerdem ein Laser Alignment Tool zum exakten Ausrichten von Wellen und Riemenscheiben anbieten.

Apropos AIP: Wie wirkt sich die neue Struktur auf das „Added Value Programme“ aus?
Preinerstorfer: Bisher haben wir mit AIP alle Branchen, von der Bäckerei bis zum Stahlwerk, nachhaltig und erfolgreich betreut. Durch individuelle Lösungsmaßnahmen sparen unsere Kunden Kosten von 50.000 bis zu über einer Million Euro pro Jahr ein. Künftig gehen wir die Beratung der Kunden deutlich fokussierter an, indem wir unser Know-how in den 15 bis 20 Nischen verstärkt einsetzen.  Aber natürlich wird unser AIP-Programm in allen anderen Branchen weitergeführt.

Und welche Änderungen stehen bei den Erstausrüstern an?
Preinerstorfer: Die sogenannten Original Equipment Manufacturers, kurz OEM, betreute bisher der Bereich „Sector/OEM“, während sich die Distributionsexperten des „Aftermarket“ um MRO kümmerten. Künftig sorgt ein Sektormanager für eine einheitliche Betreuung von MRO-, OEM- und AIP-Projekten. Dieser Spezialist verfügt also über ganzheitliche Kenntnisse über diesen Sektor und leitet diese an das Engineering weiter. So können maßgeschneiderte Lösungen für die Kunden entwickelt werden.

Was geschieht mit den hochpräzisen Produkten - etwa aus der Lineartechnik?
Preinerstorfer: Der neue Bereich Seiki, japanisch für Präzision, fasst alle hochpräzisen Produkte zusammen: Es handelt sich um Hochgenauigkeitslager, Linearführungen, Kugelgewindetriebe und Lagereinheiten für Kugelgewindetriebe, die wir vor allem den Industrien der Werkzeugmaschinen und Medizintechnik als komplette Lösung anbieten. So liefern wir in beiden Bereichen anstelle von einzelnen Produkten bereits heute komplette Baugruppen, die bestimmte Funktionen ermöglichen.

Wie werden künftig wichtige Schlüsselkunden betreut?
Preinerstorfer: Geplant ist eine sehr sektororientierte Vorgehensweise: Ein Key-Account-Manager soll sich künftig um wichtige Kunden länderübergreifend kümmern und als europaweiter Ansprechpartner agieren – Ganz nach dem Motto „One face to the customer“.

Wird das Schulungsangebot für Endanwender ebenfalls erweitert?
Preinerstorfer:  Absolut! Wir errichten in Europa 15 Trainingscenter, die ab 2017 jährlich 10.000 Anwender schulen werden. Besonderes Augenmerk richten wir dabei auf die „Emerging Markets“, in denen ein hoher Schulungsbedarf besteht. Die praxisnahen Erfahrungen mit unseren Produkten sollen unsere Kunden noch enger an die Marke NSK binden.

Welche Industriezweige sind für Sie in Europa die Branchen mit Zukunft?
Preinerstorfer: Als einer der Marktführer in Europa ist NSK bereits bei Getrieben für Windturbinen sehr gut aufgestellt. Wir werden diesen Markt weiterhin verstärkt angehen.  Ich sehe aber auch Potenzial im Bereich der Bahntechnik. NSK stattet als japanischer Marktführer beispielsweise bereits alle Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszüge mit Radsatzlagern aus. Eines der ersten Highlights in Europa sind Radsatzlager für die bis zu 350 km/h schnellen Hochgeschwindigkeitszüge, die sich aktuell in Feldtests bei der französischen SNCF im Einsatz befinden. Auch die Medizintechnik sehe ich als Zukunftsbranche. Weltweit arbeiten Zahnärzte bereits mit Bohrern, in denen sich NSK-Miniaturlager mit einem Durchmesser von drei Millimetern mit bis zu 40.000 U/min. drehen. Künftig wollen wir uns auch in Europa in dieser Branche etablieren.

Sie haben sehr viel vor: Wann steht die neue Organisationsstruktur?
Preinerstorfer: Bis Ende 2015. Also rechtzeitig zum Start ins neue Jahr 2016, wenn NSK sein 100-jähriges Firmenjubiläum feiert. Mit der neuen Struktur werden wir mit der Industrial Business Unit dazu beitragen, dass wir den von NSK-Präsident Norio Otsuka für 2016 geplanten Umsatz von einer Trillion Yen, also rund sieben Milliarden Euro, erreichen werden.


Vita
Der gebürtige Österreicher (Jahrgang: 1970) Michael Preinerstorfer hat an der österreichischen Montanuniversität Leoben Metallurgie studiert. 1998 ging der Diplomingenieur zur weltweit tätigen IMI-Gruppe mit Stammsitz in Birmingham (Großbritannien), in der er in wenigen Jahren vom Verkaufsmanager zur Führungskraft aufstieg: Bis zu seinem Wechsel zu NSK leitete er zuletzt als alleinvertretender Geschäftsführer die IMI Hydronic Engineering Deutschland GmbH (frühere TA Heimeier GmbH) in Erwitte.

Kurz und knapp: Was verbirgt sich hinter AIP?
Falsche oder fehlerhaft eingesetzte Wälzlager oder Linearprodukte können zu einer Reduzierung der Maschinenleistung bis hin zum Stillstand einer kompletten Anlage führen. NSK unterstützt Kunden, diese Probleme mittels des Mehrwertprogramms AIP zu lösen. NSK Experte helfen Anwendern mit einem in der Praxis erprobten AIP-Verfahren, den operativen Betrieb und die Wartungsprozesse effizienter und damit rentabler zu gestalten.

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